FONDS exklusiv: Wie groß ist bei Selbstständigen nach Ihren Erfahrungen der Bedarf an einer staatlich geförderten Altersvorsorge?
Igor Radović: Grundsätzlich ist der Vorsorgebedarf von Selbstständigen größer als von abhängig Beschäftigten, weil sie gewöhnlich nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen und folglich keine Altersrente erhalten. Wer aber im Ruhestand über eine monatliche Rente von 2.500 bis 3.000 Euro verfügen will, benötigt inflationsbereinigt nach 30 Jahren Ansparphase ein Vermögen von rund einer Million Euro. Genau das ist den meisten nicht bewusst. Deshalb gilt es, die Zielgruppe dahingehend wachzurütteln und Selbstständigen nahezulegen, mit einem qualifizierten Berater darüber zu sprechen, wie Sie dieses Ziel erreichen können.
Ist die Basisrente hierfür das richtige Instrument?
I. R.: Eindeutig ja, aber es kommt auf das Produkt und das individuelle Vorsorgeportfolio an. Im Grunde sind vier Komponenten entscheidend: Liquidität, eine Beteiligung an Produktivkapital wie Investmentfonds, dann eine steuerlich geschützte Komponente, die sich auch fürs Vererben eignet sowie ein lebenslanges Einkommen. Nur mit einer Leibrente lässt sich sicherstellen, dass selbst im hohen Alter genug Kapital vorhanden ist, um laufende Kosten zu bezahlen. Das kann die Basisrente leisten. Beim Thema Erben und Schenken bietet sie hingegen keine Optionen. Gleiches gilt für einen Zugriff auf das Vorsorgekapital bspw. in finanziellen Notlagen. Deshalb ist es Selbstständigen zu empfehlen, ihre Altersvorsorge auf mehreren Säulen aufzubauen.
Was ist der größte Vorteil der Basisrente?
I. R.: Ganz klar die Steuerkomponente, und zwar in doppelter Hinsicht. In diesem Jahr können die gezahlten Beiträge zu 100 Prozent bis zu einem Höchstbetrag von gut 27.566 Euro steuerlich abgesetzt werden, von berufsständischen Versorgungswerken einmal abgesehen. Sofern es richtig umgesetzt wird, fließen die Beiträge unversteuert in den Vermögensaufbau fürs Alter, sodass die nachgelagerte Besteuerung der späteren Rentenzahlen auf Basis des persönlichen Einkommenssteuersatzes gewöhnlich geringer ausfällt als zu Zeiten der Berufstätigkeit.
Canada Life hat die Leistungen ihrer fondsgebundenen Basisrente GENERATION basic plus kürzlich verbessert. Im Fokus sind auch Menschen, die gerade mit ihrer Selbstständigkeit begonnen haben. Wie erleichtern Sie ihnen den Start?
I. R.: Richtig, Selbstständige haben zu Beginn vor allem eines nicht: Geld für die Vorsorge. Ausgehend von dem Zielbetrag, den der Selbstständige in fünf Jahren in die Altersvorsorge investieren will, gibt unsere Startoption ihm die Möglichkeit, schon mit einem geringen laufenden Beitrag ab 20 Euro anzufangen, den er dann schrittweise über den genannten Zeitraum bis zum angestrebten Zielwert erhöhen kann. Zuzahlungen, die bei der Basisrente häufig auftreten, sind nun generell ab 250 Euro möglich, Einmalbeiträge ab 2.000 Euro.
Ebenso greifen Sie Kunden bei Zahlungsschwierigkeiten stärker unter die Arme. Wie sieht die Unterstützung konkret aus?
I. R.: Unsere Kunden können jetzt zwei Mal bis zu einer Dauer von je zwölf Monaten eine Beitragspause einlegen. In Ausnahmefällen geht auch ein drittes Mal. Mit dieser Flexibilität wollen wir Selbstständige dabei unterstützen, aus ihrer finanziellen Notlage herauszukommen. Weitere Optionen sind eine befristete Beitragsreduzierung für einen Zeitraum von maximal einem Jahr sowie eine Beitragspause von bis zu 36 Monaten im Falle einer Elternzeit.
Zudem haben Sie Ihr Fondsangebot ausgeweitet, mit welcher Intention?
I. R.: Unser Alleinstellungsmerkmal ist bekanntlich der UWP-Fonds, der endfällige Garantien beinhaltet. Gleichwohl gibt es ein zunehmendes Interesse an börsengehandelten ETFs und Fonds mit Nachhaltigkeitsschwerpunkten. Deshalb haben wir unser Angebot um solche und weitere aktiv gemanagte Fonds auf insgesamt 55 Fonds ausgeweitet, durchgehend als institutionelle und damit kostengünstige Tranchen. Pro Vertrag können nun bis zu 40 Fonds gleichzeitig bespart werden. Berater hatten den Wunsch an uns herangetragen, dass Kunden unsere Basisrente wie ein Investmentdepot besparen wollen.
Eingangs haben Sie betont, wie wichtig eine Finanzberatung ist, um das persönliche Vorsorgeziel zu erreichen. In einer Umfrage haben Sie sich angeschaut, wie die Beratungssituation in verschiedenen Ländern ist. Was sind die wichtigsten Ergebnisse?
I. R.: Wir sind ein großer Verfechter einer Finanzberatung. Die Materie ist zu komplex, als dass branchenfremde Personen eine Finanzplanung über lange Zeiträume zielführend umsetzen könnten. In der Studie haben wir den Wert der Beratung in verschiedenen Ländern untersucht und zwar insbesondere dort, wo Canada Life selbst unterwegs ist, wie Großbritannien, Irland, Deutschland, die USA und Kanada. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Kunden in allen Ländern zufriedener sind, wenn sie beraten wurden und dann eher das Gefühl haben, ihr Vorsorgeziel, ich denke da an die erforderliche Million, erreichen zu können.
Warum fallen die Ergebnisse in Großbritannien und Niederlande signifikant anders aus als in den anderen Ländern?
I. R.: Tatsächlich haben in den Niederlanden nur 44 Prozent und in Großbritannien nur ein Drittel der Befragten eine Finanzberatung in Anspruch genommen. Die Folge: Es wird weniger pro Monat in die private Altersvorsorge investiert und die Zufriedenheit mit dem Vorsorgesparen ist spürbarer geringer. Auch die Zuversicht, Ziele wie etwa die Million erhalten zu können, dürfte tendenziell abnehmen. Begründet liegt das darin, dass die Beratung dort für viele nicht bezahlbar, also zum Luxusgut geworden ist. Diese Entwicklung ist äußerst unerfreulich, kommt aber nicht überraschend.
Inwiefern, Herr Radović?
I. R.: In Großbritannien, wo wir als Canada Life selbst aktiv sind, hat das Provisionsverbot dazu geführt, dass sich der Markt aufteilt in einen kleineren Teil von Menschen, die sich eine Vorsorgeberatung leisten können und den überwiegenden Teil, bei denen das nicht der Fall ist. Die Folge ist, dass den meisten Menschen keiner aufzeigt, wie sie einen abgesicherten Lebensabend erreichen können. Denn es führt nicht zum Ziel, einfach monatlich 100 Euro in einen weltweiten ETF zu investieren. Unsere Aufgabe als Finanzbranche ist es daher, Lösungen anzubieten, die mit und ohne Beratung funktionieren. Wir sind jedoch der Überzeugung, dass eine Beratung für die meisten Menschen unverzichtbar ist.